Bin ich passend? Am I good enough?

In Essstörungen by Gabriele Haselberger

Vor einiger Zeit hörte ich zufällig zwei Frauen Mitte, Ende Dreißig: „Da habe ich dann vorher immer furchtbare Essanfälle.“ „Gottseidank hast du die vorher, ich habe sie eher dazwischen und mittendrin. Manchmal bin ich ganz verzweifelt.“

Es scheint normal zu sein, dass Frauen über ihr Essverhalten nachdenken. Meistens ist das Essen zu viel, das Falsche, etwas Ungesundes. Viele hadern mit sich, wenn sie dem Wunsch folgen nach Lust und Laune zu essen oder sich einfach „Satt-zu-essen“.

Ist es immer noch so, dass Frauen einem körperlichen Ideal nacheifern, trotzdem sie in vielen Bereichen versuchen, sich von tradierten Rollenbildern und Klischees zu lösen?

Ich dachte, es sei unter Umständen eher ein Phänomen der Jungen, die in vulnerablen Phasennach Vorbildern suchen und diese oft in schlanken, straffen, trainierten Körpern finden und auf Glück, Wohlbefinden und Anerkennung hoffen. Aber offenbar ist es anders. Erwachsene Frauen als auch Männer kämpfen ebenso damit und versuchen einem idealen Schönheitsbildzu entsprechen.

Wir sind doch mehr als unser Aussehen. In einem Gespräch mit einem Paar, Two Kids, Double income, meinte er, man kann doch durchaus anderen Komplimente zum Aussehen machen: du schaust fit aus, gut durchtrainiert, schlank ohne jemanden zu beschämen oder ein bestimmtes Bild zu suggerieren. Doch diese Bilder sind wir gewohnt – so muss oder soll es sein. Und was ist, wenn man einen Bauch bekommt, Falten im Gesicht und am Hals? Heißt das, man hat nicht gut auf sich aufgepasst? Man fällt aus dem Rahmen, entspricht nicht Bildern, die Erfolg und Glück verheißen? Möglicherweise isst man, was einem gefällt, und – unpassend ist?

Was ist notwendig, um wieder passend zu werden? Und passend sein wofür?

Will ich passend sein? Warum ist es schwierig, sich so anzunehmen, wie man/frau ist? Alle haben einen Körper, der mehr oder weniger das macht, wozu er gedacht ist. Er hat meist zwei Beine, die tragen, Arme, die umarmen, drücken, streicheln, halten, zupacken, und vieles mehr können. Ein Kopf, der denkt und in dem sehr viele hochkomplexe Prozesse stattfinden, Organe, die eine Person am Leben halten, eine Haut, die alles zusammenhält – vieles, wofür es dankbar zu sein sich lohnt. 

Feiern wir unseren Körper, so wie er ist. Nicht mehr und nicht weniger. Ich brauche ihn nicht zu optimieren, sondern es ist ausreichend, dass ich auf ihn achte, ihn respektiere und ihm das gebe, was er braucht, um zu tun, wofür er gedacht ist.

Body Neutrality.

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